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Neujahrsempfang Rede Sven Albert

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie im Namen des Stadtverbandes und der Fraktion im Rat der Stadt Unna ganz herzlich zu unserem diesjährigen Neujahrsempfang. Ich freue mich sehr, dass Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind. Erlauben Sie mir kurz einige Gäste namentlich zu nennen. Wir begrüßen den Landrat des Kreises Unna, Herrn Michael Makiolla, die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Renate Nick und den stellvertretenden Bürgermeister Herrn Frank-Holger Weber. Außerdem die Landtagsabgeordnete Frau Susanne Schneider. Ihnen und Euch ein herzliches Willkommen. Besonders freue mich über den Besuch unseres heutigen Gastredners. Nach meinem Empfinden scheint sich das Führungspersonal der FDP in Unna sehr wohl zu fühlen. Im März 2017 war Christian Lindner hier, im Augst 2017 Christoph Rasche und heute der stellvertretende Ministerpräsident des Landes NordrheinWestfalen und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration. Herzlichen willkommen Dr. Joachim Stamp. Nach meiner Begrüßung wird uns Dr. Stamp von seiner politischen Arbeit berichten. Was wurde bisher erreicht? Welche Projekte und Vorhaben stehen in diesem Jahr und in den nächsten Jahren auf der Agenda? Im Anschluss daran werden wir den Bürgerpreis 2018 verleihen. Sie wissen, dass wir seit vielen Jahren Personen und Institutionen ehren, die sich durch Ihr gesellschaftliches Engagement und persönlichen Einsatz um Unna verdient gemacht haben. Was haben Sie im letzten Jahr vermisst? Eine Bundesregierung? Den Meistertitel für Schalke? Weiße Weihnachten? Ich habe Respekt vermisst. Respekt vor anderen Meinungen, Wertschätzung für den Einzelnen, ungeachtet seiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Ich habe die Achtung anderer Werte und Kulturen vermisst. In den sozialen Netzwerken ist es geradezu schon normal geworden zu hetzen, zu polemisieren, den anderen runterzumachen. Kaum eine Nachricht, die nicht irgendwann in Vorwürfen, Beschimpfungen, und übelsten Beleidigungen ausartet. Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken. Mich macht das fassungslos. In sog. Talent-Shows oder Reality-Soaps geht es oft nur noch darum, andere Menschen bloß zustellen und der Lächerlichkeit preis zugeben. Und das soll Unterhaltung sein? Im Fernsehen macht man sich einen Spaß daraus, Politiker zu überrumpeln, sie mit plump-dreisten Fragen zu konfrontieren und hemmungslos durch den Kakao zu ziehen. Das mag lustig sein, im ersten Moment. Aber auch dann noch, wenn man länger darüber nachdenkt? Und: wollen wir so behandelt werden? Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, ich nenne das respektlos. Aber das ist noch nicht alles. Gerade Politikern wird viel Häme entgegengebracht. „Merkel ist Schuld!“. Glaubt man den sozialen Medien ist die Kanzlerin überhaupt an jedem Dilemma Schuld. Dass sie auch für „Friederike“ verantwortlich sein soll habe ich zwar noch nicht gelesen. Aber auf diese Idee kommt sicherlich auch noch jemand. Im Oktober 2015 wurde Henriette Reker in Köln, im November 2017 der Bürgermeister von Altena niedergestochen. Beide überleben das Attentat, wurden aber durch den Angriff schwer verletzt. Beide haben sich für eine offene Gesellschaft eingesetzt, für Toleranz und Wertschätzung. Kommen diese Attribute nicht mehr an? Allein in 2016 gab es in NRW 220 politisch motivierte Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger. Die Zahlen für 2017 liegen noch nicht komplett vor. Die Hemmschwelle ist gefühlt im freien Fall. Und auch jetzt, in dieser Stunde, in diesem Moment, wo wir hier beisammen sind, wird irgendwo in NRW Respekt mit Füßen getreten. Was tut man dagegen? Ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz? Höhere Strafen? Es gibt wohl keine Patentlösung. Aber wenn ich etwas verändern will, muss ich zuerst bei mir selbst anfangen. Ich muss mich ändern, andere Menschen kann ich nicht verändern. Und dazu passt dieses Zitat: „Sei immer respektvoll, auch zu denen, die es eigentlich nicht verdienen. Nicht um ihren Charakter wider zu spiegeln, sondern deinen.“ Ich bin seit 2014 Mitglied im Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit und Ordnung. Als sachkundiger Bürger darf ich ein bisschen an der Gestaltung und Entwicklung dieser Stadt mitwirken. Im Ausschuss sind wir nicht immer einer Meinung. Wir diskutieren, reden kontrovers, streiten auch schon mal. Aber – und das ist mein Empfinden - es geht immer um die Sache, nie um die Person, es geht immer um Inhalte, nie um die Persönlichkeit des Mitglieds. Ich schätze diesen Umgang, denn das ist Ausdruck gegenseitigen Respekts. Und genau diesen Respekt dürfen wir auch bei den kommenden Haushaltsberatungen nicht vergessen, wenn die freiwilligen Leistungen, die sich Unna leistet, auf den Prüfstand kommen. 2020 stehen Kommunalwahlen an. Der Rat und die Ausschüsse werden dann eine andere Zusammensetzung haben. Es ziehen neue Mitglieder in den Rat ein, wahrscheinlich auch die ein oder andere neue Partei. Und damit höchstwahrscheinlich auch andere politische Auffassungen und Weltanschauungen. Wie wollen wir damit umgehen? Ich lasse diese Frage heute unbeantwortet. Eine Antwort darauf muss jeder für sich selbst finden. Mein Wunsch ist es, den gegenseitigen Respekt nicht zu verlieren. Bemühen wir uns alle, unseren Mitmenschen mehr Respekt zu zollen, denn nur wer Respekt gibt, kann auch Respekt erwarten. Bevor ich das Mikrofon an Dr. Stamp übergebe, bedanke ich mich bei Ralf Bieri für die Gastlichkeit. Schön, dass wir auch in diesem Jahr wieder hier sein dürfen. Vielen Dank an das Team der Neuen Schmiede. Ihnen allen wünsche ich einen schönen und angenehmen Vormittag, gute und informative Gespräche und einen guten Appetit.